KlimaKontraste – Bilder und Geschichten zur Ausstellung

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Die Wirkung von Feuer

Narbethong, Victoria, Australien – März 2009.

Die extreme Hitze am 7. Februar 2009 werde ich nie vergessen. Beim Öffnen der Haustür strömte mir so heiße Luft entgegen, wie ich es bisher an keinem Ort erlebt hatte. Über 46 Grad Celsius glühten regelrecht auf meiner Haut. Aber ich befand mich nicht etwa in der Wüste sondern mitten in Melbourne, das für sein sonst gemäßigtes Klima bekannt war. Hier ahnte noch niemand, welche unvorstellbaren Ausmaße die Buschfeuer der letzten Tage im Norden der Stadt annehmen würden. Dieser Samstag sollte wenig später als „Black Saturday“ traurige Berühmtheit erlangen…

Die Nachrichten und Bilder in den darauffolgenden Tagen lösten Schock und Unglauben über die gewaltige Zerstörungskraft des Feuers aus. Die tiefe Trauer über die zahlreichen Verluste an Mensch und Natur war überall in Melbourne spürbar.

Sieben Wochen später machte ich mich gemeinsam mit anderen Fotografinnen und Fotografen auf den Weg Richtung Norden nach Narbethong und folgte damit einer Bitte der Gemeinde, die Folgen der Buschfeuer auf ausgewählten Grundstücken für Dokumentationszwecke auf Bildern festzuhalten.

Es war ein Sonntagnachmittag Anfang Herbst, wie er widersprüchlicher nicht sein konnte. Die Sonne strahlte idyllisch an einem leuchtend blauen Himmel, die Vögel zwitscherten und wir waren umgeben von Trümmern, Zerstörung und der Farbe Schwarz. In den Gesichtern der Anderen konnte ich das gleiche Gefühl von Bestürzung und Unverständnis erahnen, das ich selbst empfand.

Es fiel schwer, diese Orte, die einmal für jemanden ein Zuhause waren, mit den schlimmen Ereignissen aus den Nachrichten in Verbindung zu bringen geschweige denn durch ein Objektiv zu erfassen. Denn wie kann man etwas dokumentieren, wenn man es kaum begreift? In diesem Fall verhalf mir erst meine Fotografie ansatzweise zu einem Verständnis darüber, was dieses Ereignis auf persönlicher Ebene bedeutet haben muss.


Die Wirkung von Wasser

Lake Eyre/Outback, Südaustralien – Oktober 2010.

Alles begann mit einem Artikel in einer Zeitschrift. Er beschrieb, wie die aufgrund der starken Regenfälle entstandenen Überschwemmungen aus Queensland nach und nach in das Landesinnere vorrückten und damit ein seltenes Naturschauspiel auslösten: Die Flutung des Lake Eyre – einem 144 km langen und 77 km breiten, größtenteils ausgetrockneten Salzsee mitten im Outback. Dieses Ereignis war in den letzten hundert Jahren nur vier Mal vorgekommen und sollte Lake Eyre nun zu neuem Leben erwecken.

Seit meiner Ankunft in Australien hatte ich eine besondere Faszination für das Outback entwickelt und auch Salzseen zogen mich magisch an. Wenn sie trocken genug waren, konnte man wunderbar auf ihnen umherlaufen, wobei sie mich an die zugefrorenen Seen und Teiche aus meiner Kindheit erinnerten. Und das mitten in der Wüste!

Für mich war klar: Dieses außergewöhnliche Ereignis wollte ich unbedingt mit eigenen Augen sehen. Doch ganz so einfach war es nicht. Lake Eyre befindet sich im wahrsten Sinne des Wortes im Nichts. Man fuhr nicht einfach in Melbourne auf die Autobahn und schon war man da. Ein Blick auf die Karte verriet, dass es dafür Hunderte von Kilometern unbefestigte Straßen, um nicht zu sagen Schotterpisten zu überwinden galt. Diese waren aufgrund der Regenfälle ein Risiko, denn sie konnten jederzeit von offizieller Stelle geschlossen werden und damit wäre Lake Eyre unerreichbar.

Doch meine Reisepartnerin und ich waren voller Zuversicht und so machten wir uns im Frühling auf den Weg. Einen Großteil der 1500 km langen Strecke kamen wir gut voran, bis im letzten Abschnitt unserer Route die Wasserlöcher zunehmend größer und tiefer wurden. Nur mit Geduld und viel Feingefühl am Lenkrad erreichten wir schließlich William Creek – ein kleines Nest, das laut Ortsschild zu jenem Zeitpunkt ganze zwei Einwohner zählte. Dort ging es nach einer Nacht im Zelt am frühen Morgen direkt auf eine kleine Flugpiste, wo wir Jane trafen – stolze Pilotin einer Cessna Skyhawk, die uns nach einer kurzen Einweisung in die Lüfte trug.

Es folgte ein unvergesslicher Flug über atemberaubende Kunstwerke der Natur, denen keine Worte gerecht werden könnten. Glücklicherweise hat ein schlauer Mensch namens Louis Daguerre die Kamera erfunden, so dass ich sie in Bildern teilen kann!