Raum für Geschichten: Abstrakte und bildhafte Fotografie

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Diese Woche fand die Eröffnung meiner Ausstellung KlimaKontraste im Moritzhof Magdeburg statt. Im Nachsinnen über diesen für mich sehr besonderen Abend muss ich viel an die beiden unterschiedlichen Arten von Fotografien denken, die sich nun dort in Form von zwei Teilausstellungen gegenüberstehen.

“Die Wirkung von Wasser”, zu sehen in der HofGalerie des Moritzhofes, zeigt Bilder, die im Oktober 2010 auf einem Flug über den australischen Salzsee Lake Eyre während dessen Flutung entstanden. Die außergewöhnlichen Farben und – aufgrund der gelartigen Konsistenz des Wassers – teilweise malerischen Übergänge scheinen dabei so fremdartig zu wirken, dass meine Gäste mich immer wieder nach bestimmten Bildinhalten fragen. Durch diesen Austausch wird mir zunehmend bewusst, wie wenig Orientierung diese Landschaftsbilder jemandem geben, der Lake Eyre nicht mit eigenen Augen in diesem Zustand gesehen hat.

Ansel Adams hat es einmal sehr prägnant auf den Punkt gebracht: “An einem Bild sind immer zwei Leute beteiligt: Der Fotograf und der Betrachter.”

Für mich persönlich fällt diese Fotoserie durch meine eigene Erfahrung und Erinnerung in die Kategorie “Dokumentation”. Aus den Augen eines objektiven Publikums ohne jegliches Hintergrundwissen dürfte es sich hierbei jedoch um abstrakte Fotos handeln, die der Fantasie keine Grenzen setzen.

“Die Wirkung von Feuer”, ausgestellt im HofCafé des Moritzhofes, zeigt hingegen erzählerische Bilder über die Auswirkungen der Buschfeuer rund um “Black Saturday” 2009 im Norden von Melbourne. Sie beinhaltet alltägliche Objekte, mit denen das Publikum vertraut ist und gibt ihm durch ihre Bildhaftigkeit – und damit (be)greifbaren Inhalt – einen klareren Ansatz für Geschichten.

Ich glaube, letztendlich hat jedes Bild unabhängig vom Genre das Potential, eine Geschichte zu erzählen. Nur der Zugang dazu mag dem Publikum unterschiedlich leicht oder schwer fallen. Den oben zitierten Worten von Ansel Adams würde ich gern etwas hinzufügen: Ein Bild kann so viele Geschichten haben wie es Betrachter hat und ich als Fotografin sehe mich nicht getrennt vom Publikum sondern als Teil dessen – samt meiner eigenen Geschichte, die mich mit einem Werk verbindet.

Für alle die sich fragen: Das Bild dieses Beitrages entstand an einem Morgen im Frühling auf einem abgelegenen Feld in Victoria/Australien. Ich stand vor einem riesigen alten Getreidesilo und als ich gen Himmel blickte, flog eine Gruppe Vögel über mich hinweg. Ohne auch nur einen Moment darüber nachzudenken, hob ich meine Kamera und drückte ab – ein Augenblick, der mich in seiner Absichtslosigkeit immer wieder fasziniert.

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