Von Sternen, Puzzleteilen und Pralinenschachteln: Lebensbilder und ihre Wirkung

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Der Sternenhimmel fasziniert uns Menschen seit Urzeiten. Hier von der Erde aus hängt seine Erscheinung interessanterweise davon ab, wo wir uns gerade befinden und was um uns herum ist. Er strahlt am meisten von Orten aus, die wenig besiedelt sind und kein bzw. wenig künstlich erzeugtes Licht aufweisen. Meine hellsten Sternenhimmel-Momente hatte ich bisher an der Ostsee, im Outback von Australien und auf einer kleinen Insel der Malediven mitten im Indischen Ozean. Die Milchstraße ergoss sich jedes Mal in atemberaubender Intensität und ich konnte mich gar nicht daran satt sehen.

In letzter Zeit denke ich öfter über Lebensbilder nach und wie sie unser Denken, unser Bewusstsein und demzufolge auch unsere Realität beeinflussen. Wenn ich von Lebensbildern spreche, meine ich damit weder die sehr intellektuell ausgerichtete Lebensphilosophie oder die Ansichten der Religionen, sondern einfach bestimmte Symbole, die unser Verständnis vom komplexen Prozess des Lebens in einer gewissen Leichtigkeit und Einfachheit widerspiegeln. Das beste Beispiel dafür ist allen Filmfans bestimmt bestens aus Forrest Gump bekannt: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt.”

Unsere Auffassungen über das Leben beeinflussen uns mehr, als den meisten von uns bewusst ist, und visuelle Symbole funktionieren oft besonders stark. Die Pralinenschachtel birgt viel Raum für Offenheit, im Nachsatz schwingt allerdings auch die Tendenz zur Unsicherheit bzw. eine gewisse negative Erwartung mit. Das Leben ist ungewiss. Würde es heißen „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – in jedem Stück verbirgt sich eine neue Überraschung“, strahlt dies eher Neugier und eine gewisse positive Erwartung aus. Das Leben wird in seiner Vielfalt gefeiert.

Vollkommenheit im Jetzt

Für mich war das Leben bisher ein Puzzlespiel – bis ich erkannte, dass ein Puzzlespiel zwar Spaß macht, aber durchaus seine Grenzen hat. Ein Puzzle ist etwas in sich Abgeschlossenes und ergibt irgendwann einen Sinn bzw. ein Bild. Aber die Betonung liegt auf irgendwann – nämlich dann, wenn es fertiggestellt und vollständig ist. Es ist nicht vollkommen, wenn es nicht vollendet ist bzw. die Teile noch unsortiert und chaotisch herumliegen. Es muss nach den Regeln einer klaren, aber unflexiblen Struktur gespielt werden: Sowohl in Bezug auf seine Form als auch sein Aussehen muss das Puzzleteil an eine bestimmte Stelle und kann nicht einfach irgendwo angelegt werden. Für den Geist ist das Spiel mit der Genauigkeit durchaus eine schöne und nährende Herausforderung, aber als Lebensbild fehlt dem Puzzlespiel für meinen Geschmack auf jeden Fall der Raum für Freiheit.

Als Menschen möchten wir uns weiterentwickeln, uns aber gleichzeitig auch so akzeptieren (soll heißen: als vollkommen sehen), wie wir jetzt gerade in diesem Moment sind. Was wäre da als Lebensbild geeigneter als der grenzenlos strahlende, sich stetig in Bewegung befindende Sternenhimmel über uns?

Ein Stern ist ein Stern. Von unserem Standpunkt aus ist er ein Punkt am großen Firmament, der den Sternenhimmel noch ein klein wenig mehr erstrahlen lässt. Und jeder neue Stern an unserem Lebenshimmel lässt uns noch heller erstrahlen – jede Einsicht, jede Erkenntnis, jeder Aha-Moment. Jede Begegnung, jede Erfahrung, jedes Jahr, jeder Tag, jede Stunde. Ein Stern muss nicht an eine bestimmte Stelle passen – er hat das große unendliche Universum zur Auswahl und kann frei und voller Leichtigkeit entscheiden, wo er erstrahlt. Er bringt Licht und strahlt so lange wie er strahlt, bevor er zu einer Sternschnuppe wird und wir uns von der Erde aus in einem flüchtigen Moment genau an ihm erfreuen. Ihm geht es nicht um Vollendung, denn der Sternenhimmel ist bereits in jedem Moment vollkommen, so wie er ist – ob mit oder ohne einen neuen Stern.

Der Sinn des Lebens

Das Bild muss auch keinen Sinn ergeben, der Sternenhimmel ist einfach nur schön. Und dem Leben eine Sinnhaftigkeit abzuverlangen, ist im Grunde sinnlos (schönes Wortspiel, oder? 😉 ), denn das Leben IST einfach da und verlangt nach keinem Sinn. Halten wir es mit dem Leben doch wie mit dem Sternenhimmel: Es ist einfach nur schön. Und im Gegensatz zu dem Puzzle, das ein fest vorgegebenes Ergebnis sowie ein Endziel hat, dehnt sich das Universum immer weiter aus – und zwar frei von jeder Vorgabe und Struktur. Flexibilität und Offenheit sind auch im Hinblick auf unser Denken und unsere Erwartungen an das Leben eine gesunde Einstellung und machen es uns tatsächlich um einiges leichter.

Der Sternenhimmel ist nichts in sich Abgeschlossenes – er ist das komplette Gegenteil: Mehr an Unendlichkeit geht nicht (ups, ein Paradox 😉 ). Und wenn wir auch unser Leben so betrachten, dann schwingt es auf der selben Ebene wie das Universum und wir gewinnen dabei enorm an Bewusstsein und öffnen uns seinen unendlichen Möglichkeiten. Und genau darum geht es doch, oder?

Also, in diesem Sinne: