Vom Alltag zum Abenteuer: Australien 2.0

Veröffentlicht in: Inspiration, Natur, Reisen, Spiritualität | 0

Es ist ein düsterer, nasskalter Dezembertag, über dem die Gewissheit liegt, dass seine Leuchtkraft heute nicht über das sanfte wolkenverhangene Grau des Himmels hinausgehen wird. Auf dem kleinen Fluss, an den es mich immer wieder zu ausgedehnten Spaziergängen zieht, schwimmen Batzen aus Stöcken, Zweigen und Laub an mir vorbei. Es scheint sich auf dem Weg einiges gelöst zu haben, was nun flussabwärts treibt und immer mal wieder dafür sorgt, dass der Lauf des Wassers langsamer wird, an einigen Stellen sogar fast zum Erliegen kommt. Nur um dann aus einem unergründlichen Anstoß heraus doch wieder in Fahrt zu kommen.

Ein kleines blondes Mädchen erscheint vor meinem Blickfeld und kommt mit kurzen, gleichmäßigen Schritten, die auffallend entschlossen wirken, immer näher. Im Hintergrund erblicke ich eine Frau mit einem großen Hund an der straffen Leine, die gerade die Brücke zur anderen Seite des Flusses überquert. Das Mädchen läuft weiter in meine Richtung – ihr freundlicher Gesichtsausdruck strahlt eine Neugier und Offenheit aus, die mich berühren. Die Frau mit dem Hund bemerkt den Eigensinn ihres Kindes und kommt wieder über die Brücke zurück, ihre Rufe werden übertönt von der Musik in meinem Ohr. Das Mädchen scheint zunächst nicht zu hören – oder hören zu wollen. Schließlich bleibt es mit einem nachsichtigen Lächeln stehen, dreht sich um und geht ihrer Mutter in ebenso gleichmäßigen Schritten entgegen, wie es zuvor auf mich zugekommen war. Aber nicht ohne noch einmal für einen Moment mit einem Ausdruck des Zögerns inne zu halten. Bis die Rufe der Fürsorge den Anflug von Abenteuerlust gänzlich übertönen und sie sich wieder zur Mutter hin in Bewegung setzt.

In genau vier Wochen lande ich da, von wo aus die Welt wie umgekehrt wirkt – oder wo sie zumindest doch etwas anders aussieht als an diesem Fluss. Der Winter wird zum Sommer. Der Mond ist zunehmend, wenn er eigentlich wie abnehmend aussieht. Und einen Polarstern gibt es nicht – aber dafür das Kreuz des Südens. Dreieinhalb Jahre sind vergangen, seitdem ich an einem ungemütlichen Wintertag im Juni meine fünfjährige Australienzeit hinter mir ließ. Sie war als einjährige Auszeit geplant gewesen und hatte in gewisser Weise nie das gehalten, was ich mir ursprünglich von ihr gewünscht hatte.

Nach meiner Ankunft in Melbourne hatte mich das Leben innerhalb kurzer Zeit in einen Alltag hineingeschubst, der mir mit all seinen Verpflichtungen nur punktuell eine Auszeit erlaubte. Diese kurzen und längeren Reisen hielten mich zwar gut über Wasser und erfüllten temporär meine Sehnsucht, dieses Land in all seiner Weite zu fassen, aber dennoch blieb etwas unerfüllt, als ich an jenen Montagen aus dem Urlaub in das stets vollklimatisierte Großraumbüro trat und pflichtbewusst an meinen Schreibtisch zurückkehrte. Meine Wüstenabenteuer schafften es einfach nicht über die 10-Tage-Marke hinaus.

Mein Alltag befindet sich nun wieder am anderen Ende der Welt. Da wo er hingehört – zumindest ist das mein Gefühl, wenn ich von großen Reisen und kleinen Ausflügen an diesen Ort zurückkehre. Ende letzten Jahres erschien auf besagten Spaziergängen am Fluss ein alter sonnengelber T1 auf der Bildoberfläche und mit jedem neuen Aufeinandertreffen hatte ich mehr das Gefühl, dass es langsam Zeit wird, nach Australien zurückzukehren. Wenig später prophezeite mir ein chinesischer Glückskeks “You are heading for a land of sunshine” und so kommt es nun, wie es zu kommen hat.

Ohne das Bedürfnis, die Dinge im Detail zu planen, war mir in den letzten Monaten lediglich mein Flugdatum bekannt. Ich verlasse meinen Alltag an diesem Ende im alten Jahr und beginne mein Abenteur am anderen Ende im neuen Jahr. Seit einigen Tagen hängt in meiner Küche eine Australienkarte mit fünf sonnenbemalten Klebepunkten darauf – die sich alle in einem Moment der absoluten Klarheit wie von selbst verteilten. Jemand hatte mir genau die richtige Frage gestellt, die dazu führte, dass mein Unterbewusstsein mir endlich Zeichen gab, wo es mit dieser Reise eigentlich hingehen soll.

Es sind fünf Orte, zu denen ich eine besondere Verbindung habe. Das Wort “Seelenorte” drückt es gut aus. Es geht um Erinnerung genauso wie um Neuentdeckung. Um Reflektion der einstigen Erfahrungen aus dem Blickwinkel des Jetzt. Es geht darum, Australien aus der Perspektive des uneingeschränkten Abenteuers zu erleben. Um die Freiheit, mir den einen oder anderen Umweg zu erlauben. Die außergewöhnliche Weite dieses Kontinentes im ganz eigenen Tempo auszukosten und dabei vielleicht den einen oder anderen Weitblick mitzunehmen.

Es geht um Erfüllung… und ich wähle den Landweg – direkt verbunden mit der Erde. Wenn ich meine Karte betrachte und mir die Unvorhersehbarkeit so vieler Aspekte dieses Unterfangens vor Augen führe, ist eins klar: Es wird spannend, ob sich alle fünf Punkte miteinander verbinden lassen und wohin mich mein Weg tatsächlich führt.

Die Reiseroute

1. Ein Ort der Leichtigkeit und Lebensfreude. Der Beginn von allem und das Gefühl, dass alles möglich ist.

2. Uraltes Gestein, die Berührung mit der Traumzeit und schöpferische Kraft in ihren Anfängen.

3. Die Verbindung zur Vergangenheit und die Suche nach den Spuren, die wir hinterlassen.

4. Das spirituelle Zentrum. Alles ist miteinander verbunden.

5. Das Paradies.